Nach der Uni zum Rotlichtjob

Studentinnen und ihr eigenes Bildungspaket

Steffi (26) studiert Jura – und geht jobben. Ungewöhnlich jobben. Steffi finanziert ihr Studium durch Prostitution. Und zwar freiwillig. Einer Umfrage des Studienkollegs Berlin können sich ein Drittel der befragten Studenten vorstellen, sein Studium durch sexuelle Dienstleistungen zu finanzieren.

Wie Steffi. Sie ist sehr normal gekleidet, dunkler Wollpulli, Brille, das blonde Haar hochgesteckt. Dass die junge Studentin zweimal in der Woche in einem Bordell arbeitet, würde so keiner vermuten.

Sie hat sich vor 2 Jahren dazu entschieden, denn von ihren Eltern konnte sie leider keine Unterstützung erwarten, denn die haben selbst kaum genug zum leben. Das BAföG reichte nicht aus, und so ergriff sie den ungewöhnlichen Beruf und kommt so auf ca. 2000 EUR im Monat.

Prostitution als Nebenjob ist gar keine Ausnahme mehr. Die Studierenden arbeiten sonst meist in der Gastronomie oder als HiWi an der Akademie. Da sind die Verdienstmöglichkeiten natürlich viel eingeschränkter. Im Schnitt kommen dort ca. 400 EUR im Monat zusammen. Das verdient Steffi an einem Abend, wenns gut läuft.
So verliert die Sexarbeit in gewisse Weise etwas von ihrem schlechtem Image, denn die jungen Leute gehen zunehmend locker mit dem Thema um.  Dieses neue Selbstbewußtsein der jungen Frauen trägt auf jeden Fall dazu bei, dass die Prostitution zunehmend als Dienstleistung wahrgenommen wird. Natürlich fernab von Zwangsprostitution und Drogenhandel.

Gerade die gesetzliche Neuregelung der Gebührenordnung an den Universitäten, die verschärfte Situation an den Akademien mit überfüllten Hörsälen, die oft nur geringe finanzielle Unterstützung durch die Familie erfordern höchste Flexibilität bei der Jobsuche. Dem kommt die Sexarbeit sehr entgegen.

Die Umfrage ergab, dass etwa vier Prozent der 3.200 in Berlin befragten Studierenden sagten, sie hätten bereits irgendeine Form von Sexarbeit gemacht, wozu Prostitution, erotisches Tanzen und Internetshows  gehören. Erstaunlich ist, dass Frauen und Männer in etwa gleich vertreten waren, die Hälfte davon bezeichnete sich selbst als ausschließlich heterosexuell. Auch gab die Hälfte der Gruppe an, in einer festen Beziehung zu leben.

Für Steffi war es am Anfang ein etwas mulmiges Gefühl, denn sie wußte nicht genau, was auf sie zukommt. Aber auch eine gewisse Neugier sowie die Aussicht auf ein gutes Einkommen ließen sie den Schritt machen, und sie bereut es bis heute nicht.